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Ärzteverbände warnen vor Verschlechterung des Gesundheitssystems

Mediziner warnen zu Beginn der Koalitionsverhandlungen die Parteien davor, die Gesundheitsversorgung in Deutschland durch einen radikalen Systemwechsel zu gefährden.

„Patienten in Deutschland haben die Möglichkeit einer freien Arztwahl, sie werden wohnortnah versorgt, und der medizinische Standard hierzulande ist sehr hoch. Diese Art der Gesundheitsversorgung mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie Kliniken und Krankenhäusern ist weltweit einmalig und ein Grund dafür, warum sehr viele Menschen auch aus dem Ausland zu uns kommen, um sich hier behandeln zu lassen. Entstanden ist diese sehr leistungsfähige medizinische Versorgung auch durch den Wettbewerb der Krankenkassen untereinander. Die Abschaffung dieser Versorgungstruktur birgt enorme Risiken. Ein Systemwechsel zur Bürgerversicherung könnte das Ende der Gesundheitsversorgung bedeuten, wie wir sie alle kennen und schätzen“, warnt Dr. med. Dirk Heinrich, Vorsitzender des Spitzenverbandes der Fachärzte Deutschlands (SpiFa), dem 28 ärztliche Berufsverbände angehören. Und nicht nur der SpiFa schlägt Alarm. Auch andere ärztliche Organisationen befürchten, dass ein Wechsel zu einer Einheitsversicherung mit gravierenden Nachteilen für die Patienten verbunden sein könnte. „Mit der Weiterentwicklung der diagnostischen Methoden und der medikamentösen sowie psychotherapeutischen Interventionsmöglichkeiten kam es in den vergangenen Jahren zu einer höheren ambulanten Inanspruchnahme neurologischer, psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlungen und damit zur deutlichen Fallzahlsteigerung in den Praxen. Eine Einheitsversicherung würde an dieser Situation nichts ändern – im Gegenteil. Ich befürchte, dass dann die wohlhabenden Patienten über private Zusatzversicherungen oder auf eigene Rechnung versuchen werden, schneller an Termine zu kommen als sozial schwächere Patienten. Das wäre in der Tat der Einstieg in eine Zweiklassen-Medizin, denn für unsere Fachgruppen spielt es bisher keine große Rolle, ob ein Patient privat oder gesetzlich versichert ist“, erläutert die Psychiaterin Dr. med. Sabine Köhler, Vorstand des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN).

Mediziner planen Proteste gegen Bürgerversicherung

Für den Fall, dass die neue Regierung die Einführung einer Bürgerversicherung in Erwägung zieht, planen die Ärzteverbände massive Proteste. Zu den Ärzteverbänden, die sich diesen Protesten anschließen werden, gehören auch die Kinder- und Jugendärzte. „Im Bereich der Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche haben wir in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Viele dieser von unserem Verband entwickelten neuen Vorsorgen wurden zunächst nur von den privaten Krankenkassen erstattet – die meisten gesetzlichen Krankenkassen haben dann später nachgezogen. Dies ist ein Beispiel dafür, dass der Wettbewerb der Kassen untereinander auch zu Fortschritten in der medizinischen Versorgung führt. Auch bei der Einführung der Telemedizin gibt es diesen Innovationsschub, der innerhalb gesetzlichen Kassen dazu führt, neue digitale Konzepte, wie das preisgekrönte pädiatrische Telekonsil „PädExpert“ für unsere Patienten einzuführen. Eine Einheitsversicherung wird sicher nicht dazu führen, dass Deutschland bei gesundheitlichen Innovationen an der Weltspitze bleibt“, befürchtet Dr. med. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Der Vorsitzende des Spitzenverbandes der Fachärzte gibt die Richtung schon mal vor: „Die niedergelassenen Ärzteverbände werden einer politisch motivierten Verschlechterung der Gesundheitsversorgung in Deutschland nicht tatenlos zusehen. Wir werden unsere Patienten – auch mit modernen Kommunikationsmitteln - wie der PraxisApp – darüber informieren, welche Aktionen notwendig sind, um die medizinische Versorgung in Deutschland auch für zukünftige Generationen zu sichern. Dazu könnten auch vorübergehende Praxisschließungen gehören“, erläutert Dr. Dirk Heinrich.

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Januar 2018


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